20 Jahre nach dem Studienabschluss treffen sich die Alumni des Studiengangs Gebärdensprachdolmetschen (GSD) in Magdeburg wieder. Unsere Alumna Elli Schob berichtet vom Wiedersehen.
Schon seit ein paar Tagen grüble ich, wie ich diesen Artikel über unser Alumni-Treffen beginnen soll. Mir fallen die typischen Anfangssätze für ein Ehemaligentreffen ein, aber unser Wiedersehen war so Besonders – da soll es auch dieser Artikel werden. Kurz überlege ich, die KI zu bemühen, verwerfe den Gedanken aber ganz schnell, denn als unser Semester 2006 auseinanderging, war von KI noch keine Rede. Ich sag´ nur „VHS-Kassetten und Diktiergerät“. Aber davon später mehr …
Mit 16 Studierenden plus Eins (Andreas Goeze begann zeitgleich mit uns seine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt Notebook-University und lernte mit uns Erstis gemeinsam Deutsche Gebärdensprache, um mit den tauben Dozierenden kommunizieren zu können) begannen wir im Oktober 2002 unser Studium und waren alle hochmotiviert, um nach 8 Semestern als diplomierte Gebärdensprachdolmetscher*innen arbeiten zu können.
Schon nach wenigen Wochen verließ uns der erste Kommilitone und wechselte an die Uni nach Hamburg. Und so wurde unsere Gruppe peu á peu kleiner, bis sich schließlich 12 Studentinnen auf der Zielgeraden zum Diplom befanden.
Dank der Initiative von Bianca Ewald und Isabell Gaudes konnten sich immerhin Acht von diesen Zwölf am 11.09.2026 zum 20jährigen Jubiläum des offiziellen Studienabschlußes treffen. Und unser „plus Eins“ hatte sogar auch Zeit und gesellte sich zwischendurch dazu.
Wir waren wohl alle voller Vorfreude, und auch etwas aufgeregt – schließlich hatten wir uns teilweise 20 Jahre nicht gesehen. Für den Freitag hatten Bianca und Isabell die Lokalität herausgesucht, in denen früher immer unser Gebärdensprachstammtisch stattfand. Kaum saßen Andrea, Tanja, Elena, Diana, Bianca, Andreas, Anja, Isabell und ich am Tisch, stellte sich die alte Vertrautheit wieder ein: Die letzten 20 Jahre hatten uns anscheinend überhaupt nicht verändert. Es fühlte sich an, als würden wir uns nach etwas längeren Semesterferien wiedersehen. Da aber doch eine lange Zeitspanne hinter unserem letzten Beisammensein lag, erzählten wir zumindest in groben Zügen der Reihe nach, was wir nach unserem Semesterabschlußfest 2006 erlebt hatten.
Zurzeit arbeiten sieben von uns Zwölf als Gebärdensprachdolmetscherinnen. Fünf hatten andere berufliche Wege eingeschlagen, die aber doch im weitesten Sinne mit Kommunikation zu tun haben oder durch das Studium erst entdeckt wurden.
Am nächsten Morgen trafen wir uns um 10Uhr an der Bibliothek, in der uns unsere damalige Dozentin Sandra Köchy und die Alumnibeauftragte Frau Marquardt schon erwarteten. Bei frisch gekochtem Kaffee und versorgt mit Merchandiseartikeln der Hochschule brachte uns Frau Marquardt auf den aktuellen Stand mit Zahlen, Daten und Fakten über „unsere“ Fachhochschule. Sandra Köchy erzählte, was sich im Studiengang Gebärdensprachdolmetschen getan hatte. Anschließend führte sie uns über den Campus zu einigen der wichtigen Stationen unseres Studentenlebens. Vieles hatte sich verändert, aber auf dem Rundgang zu unseren Seminarräumen, zur Bibliothek, zur Mensa und zum Audimax konnten wir auch Vertrautes wiedersehen. Wir schwelgten in Erinnerungen beim Anblick unseres unveränderten alten Seminarraums, suchten und fanden in der Bibliothek einige unserer Diplomarbeiten, entdeckten in Schränken Utensilien aus unserem ersten Semester, standen an den Fenstern der Mensa und dachten an die vielen gemeinsamen Mahlzeiten dort.
Völlig verwandelt war hingegen das Videosprachlabor. Hier haben wir so manche Stunde mehr oder weniger verzweifelt mit der Technik – bestehend aus VHS - Videokassetten, alten Bildschirmen zum Abspielen der Videos und Diktiergeräten – und eventuell auch ein bisschen mit dem Dolmetschen gekämpft. Mittlerweile ist die Technik auf neuestem Stand und wir waren sehr beeindruckt.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Frau Marquardt und Sandra Köchy, die sich beide am Samstagvormittag extra Zeit genommen hatten und uns einerseits auf aktuellen Stand brachten und uns andererseits eine Reise in die Vergangenheit ermöglichten.
Für uns ging es nach dem Besuch des schönsten Campus zum Mittagessen – leider nicht in der Mensa. Bei der anschließenden Stadtrundfahrt konnten wir die Entwicklung der Stadt seit 2006 entdecken und ließen anschließend den Abend mit vielen schönen, guten und lustigen Gesprächen ausklingen.
Lieben Dank an Bianca Ewald und Isabell Gaudes für die perfekte Organisation.
Wir haben die gemeinsame Zeit sehr genossen und wollen definitiv nicht wieder zwanzig Jahre bis zu unserem nächsten Wiedersehen warten.
Text: Elli Schob
Foto: Matthias Piekacz